Family Literacy – Eltern und Kinder entdecken die Schrift

Viele Kinder erleben ihre Eltern als lesende und schreibende Modelle. Einige Kinder haben diese Vorbilder nicht, ihnen fehlt die Anregung zum frühen, kreativen Umgang mit Schrift. Dabei ist die Familie der Ort, an dem grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch auch Orientierungen und Einstellungen gegenüber Schrift vermittelt werden. Sehr viele funktionale Analphabeten berichten, dass in ihrem Elternhaus Schrift keine oder kaum eine Rolle spielte. Internationale Längsschnittstudien bestätigen diesen Zusammenhang der “sozialen Vererbung” von Illteralität. Auch PISA gibt Hinweise auf einen Zusammenhang von geringen Lesekompetenzen einerseits und fehlender häuslicher Anregung und Unterstützung andererseits.

Der Ansatz der Family Literacy konzentriert sich daher auf Sprach- und Literalitätsförderung mit Familien. Eltern und Kinder lernen gemeinsam – jeder auf seinem Entwicklungsniveau. Gemeinsam werden spielerisch-lustvolle Wege zu einer Schriftkultur gesucht. Der Grundgedanke des Ansatzes ist, dass Unterricht Schrift nicht gegen die Alltagswelt durchsetzen kann. Familienorientierte Konzepte setzen deswegen an der Alltagswelt der Lernenden an – in der Familie.

Solch ein generationsübergreifender Ansatz kann als eine Schlüsselstrategie der breiten Förderung von Literalität angesehen werden.Dadurch, dass unterschiedliche Generationen angesprochen werden, wirkt der Ansatz sowohl intervenierend als auch präventiv.

Bisher richtet sich der Fokus vieler familienorientierter Projekte sehr stark auf die Kinder als Zielgruppe. In der Erwachsenenbildung jedoch entwickelt sich eine generationenübergreifende Praxis noch nicht. Das Projekt AlphaFamilie stellt diesen Zugang bewusst in den Vordergrund. Es wird erstmals in Deutschland Ausgang von einer  Erwachsenenbildungseinrichtung nehmen und flexible, übertragbare Lehr- und Lernbausteine für generationenübergreifende Grundbildung entwickeln. Und es versucht erstmals,  familienorienterte Literalisierungsarbeit mit funktionalen Analphabeten zu praktizieren.